3 Din­ge die Kin­dern den Schlaf rau­ben

Ein Gast­bei­trag mit Schlaf­be­ra­te­rin Iri­na Kai­ser

Ein Gast­bei­trag von Iri­na Kai­ser von der BabySchlafschule.de

Iri­na ist zer­ti­fi­zier­ter Schlaf­coach (Gent­leS­leep­Coach®) und unter­stützt Eltern deren Babys & Kin­der Schlaf­pro­ble­me haben. Als Mut­ter von zwei ehe­ma­li­gen “Schlecht­schlä­fern” kann sie sich gut in die Lage der Erwach­se­nen ver­set­zen und weiß wie sehr das nächt­li­che Defi­zit auch den Gro­ßen aufs Gemüt schla­gen kann. Ihr Fach­wis­sen hat sie sich in der welt­weit ers­ten Schu­le für Schlaf­coa­ches, bei der bekann­ten ame­ri­ka­ni­schen Fami­li­en­the­ra­peu­tin Kim West, ange­eig­net, die eine beson­ders sanf­te Schlaf­lern­me­tho­de ent­wi­ckelt hat. Uns hat die Schlaf-Fee 3 Grün­de ver­ra­ten, die unse­ren Kin­dern den Schlaf rau­ben und wie wir die­se behe­ben kön­nen.

1. SCHLAFPHASENWECHSEL

Je nach Alter, kom­men Kin­der alle 45 bis 60 Minu­ten in eine Leicht­schlaf­pha­se, um sich zu ver­ge­wis­sern, ob alles in Ord­nung ist. Die­se Fähig­keit ist evo­lu­tio­när bedingt und sorg­te frü­her dafür, dass selbst klei­ne, hilf­lo­se Babys bei dro­hen­der Gefahr eine Über­le­bens­chan­ce hat­ten. So konn­ten sie sich bei­spiels­wei­se durch schrei­en bemerk­bar machen, um nicht zurück­ge­las­sen zu wer­den. Zwar schla­fen wir heu­te in gut gesi­cher­ten Häu­sern, in denen uns nachts nichts mehr pas­sie­ren kann, doch kom­men Babys noch immer mit die­sem Not­fall­me­cha­nis­mus aus­ge­stat­tet auf die Welt. 

Im Gegen­satz zum Tief­schlaf, kön­nen Kin­der in der Leicht­schlaf­pha­se wirk­lich alles wahr­neh­men: Hun­ger, eine unan­ge­nehm nas­se Win­del, eine Ver­än­de­rung der Licht- und Tem­pe­ra­tur­ver­hält­nis­se oder auch stö­ren­de Geräu­sche. In die­sem Zusam­men­hang ver­setzt ins­be­son­de­re der Schlaf­platz­wech­sel Babys in höchs­te Alarm­be­reit­schaft. Wobei dies ganz gut nach­voll­zieh­bar ist, zumal man es als Erwach­se­ner auch nicht sehr amü­sant fin­den wür­de, wenn man in sei­nem Bett ein­schläft und in der Nacht auf dem Fuß­bo­den erwacht. 

Auf den Punkt gebracht, bedeu­tet dies, dass ein Baby, wenn es nachts auf­wacht, ver­sucht die Ein­schlaf­si­tua­ti­on wie­der­her­zu­stel­len. Gelingt es ihm nicht, gibt es Alarm und braucht Hil­fe, um wie­der in den Schlaf zurück zu fin­den.

2. ÜBERMÜDUNG

Ein wei­te­rer Feind ruhi­ger Näch­te ist das Stress­hor­mon Cor­ti­sol, wel­ches eigent­lich dazu bestimmt ist, dem Kör­per zu hel­fen, mit Belas­tun­gen fer­tig zu wer­den. Eine die­ser kind­li­chen Belas­tun­gen ist Über­mü­dung.

Je nach Alter und phy­si­scher Ver­fas­sung kann ein Kind nur eine bestimm­te Zeit wach blei­ben. Wird die­se über­schrit­ten, schüt­tet der Kör­per das Hor­mon aus. Ein typi­sches Anzei­chen für Über­mü­dung ist es, wenn Kin­der quen­ge­lig wer­den, ande­re begin­nen sogar zu wei­nen.   

Als enger Ver­wand­ter von Adre­na­lin hat die­ses Stress­hor­mon eine ähn­li­che Wir­kung auf den Men­schen. Viel­leicht kennt man es von älte­ren Kin­dern, die noch sehr spät auf sind und aus­se­hen, als ob sie einen Ener­gie­schub hat­ten — hier dau­ert es ent­spre­chend lan­ge, bis die­se sich beru­hi­gen und ein­schla­fen kön­nen.

Babys tun sich bei Über­mü­dung beson­ders schwer. Wenn sie ein­mal “über dem Punkt” sind, brau­chen sie ent­spre­chend lan­ge, um wie­der zur Ruhe zu kom­men und schaf­fen es meist nur mit auf­wen­di­ger Hil­fe, wie Schau­keln oder Her­um­tra­gen. Nicht sel­ten kön­nen über­mü­de­te Babys nur im Auto­sitz oder Kin­der­wa­gen, also in Bewe­gung, ein­schla­fen.

Lei­der ver­bleibt Cor­ti­sol bis zu 24 Stun­den lang im Kör­per und sorgt auch nachts für häu­fi­ges Auf­wa­chen. Abhil­fe schafft hier nur eines: Die Kin­der zu beob­ach­ten und recht­zei­tig für gute Ein­schlaf­be­din­gun­gen (z.B. Hun­ger gestillt, Win­del tro­cken, aus­gie­big geku­schelt, Schmu­se­tier im Arm, dunk­les Zim­mer) zu sor­gen.

Abschlie­ßend ist es ein­fach wich­tig, dass Eltern ver­ste­hen, dass sie allei­ne dafür ver­ant­wort­lich sind, wann ihr Kind schläft. Denn wäh­rend Erwach­se­ne frei dar­über ent­schei­den kön­nen, wann sie ins Bett, kön­nen Kin­der das nicht. Hier müs­sen Eltern ihre Macht (*) gezielt ein­set­zen um den Tages­ab­lauf der Klei­nen zu steu­ern und ihnen so zu hel­fen, bes­ser zu schla­fen.

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Anmer­kung der Redak­ti­on: (*) Der Begriff “Macht” ist hier im Sin­ne von Mög­lich­kei­ten zu sehen, nicht als Gewalt! Eltern tun alles “in ihrer Macht ste­hen­de” um ihren Kin­dern zu hel­fen. Es geht nicht dar­um die Kin­der mit aller Gewalt in Bett zu brin­gen, obwohl die­se noch nicht soweit sind.

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3. LERNFORTSCHRITT

Wenn Kin­der nicht von Haus aus selb­stän­dig ein­schla­fen kön­nen, schaf­fen sie es oft auch nicht ohne Hil­fe, wenn sie mal nachts auf­wa­chen. Dabei ist das Schla­fen, genau­so wie Krab­beln oder Lau­fen, eine erlern­ba­re Fähig­keit, die sie alle frü­her oder spä­ter ler­nen wer­den. 

Es ist völ­lig nor­mal, wenn ein Kind bis zu sei­nem 6. Lebens­mo­nat die Hil­fe von Mama oder Papa beim Ein­schla­fen braucht. Danach könn­ten Eltern aber lang­sam damit anfan­gen, ihre akti­ve Hil­fe nach und nach zu redu­zie­ren. Denn der Lern­pro­zess fängt für die Kin­der erst dort an, wo die Erwach­se­nen ihr Klei­nes selbst machen las­sen.

In die­sem Sin­ne ist hier tat­säch­lich das schritt­wei­se Los­las­sen der Eltern, der Schlüs­sel zum Pro­blem. Denn nur so kön­nen die Klei­nen ihre Rei­se in die Selb­stän­dig­keit antre­ten und sich selbst hel­fen ler­nen, wäh­rend die Eltern die Gewiss­heit haben, sie bei die­sem wei­te­ren Mei­len­stein beglei­tet und unter­stützt zu haben.