Mehr Zeit mit den Kin­dern statt Bol­ler­wa­gen

Die Väter von heu­te

Inter­view mit Papa­blog­ger Jan­ne Hell­mann

Jan­ne Hell­mann (*1977) ist gelern­ter Tisch­ler, bil­de­te sich aber auto­di­dak­tisch zum 3D-Artis­ten fort und desi­gned heu­te über­wie­gend Bars und Restau­rants. Das vol­le Aus­maß sei­ner krea­ti­ven Ader lässt der stol­ze Drei­fach­pa­pa aber erst auf sei­nem Blog blaubeerpfuetze.de erah­nen, wo er vie­le sei­ner DIY-Pro­jek­te vor­stellt. Die­se rei­chen von 3D-Illus­tra­tio­nen und Foto­gra­fien, über diver­se Holz­pro­jek­te bis hin zu Näh­ar­bei­ten und eige­nen Stoff­de­signs. Mit uns sprach der lebens­lus­ti­ge Papa über den bevor­ste­hen­den Vater­tag, Power­frau­en und das Leben in der Groß­fa­mi­lie.

Fei­er­ta­ge für Eltern

Der Mut­ter­tag ist gera­de vor­bei und der Vater­tag steht schon in den Start­lö­chern. Spie­len Fei­er­ta­ge wie die­se eine Rol­le für Dich? Habt ihr Zuhau­se viel­leicht sogar bestimm­te Ritua­le?

Ich bin nicht der Typ der bier­trin­kend mit dem Bol­ler­wa­gen durch die Welt­ge­schich­te zieht und muss auch nicht dafür gefei­ert wer­den, dass ich ein tol­ler Vater bin. Mir per­sön­lich ist der Vater­tag völ­lig egal, aller­dings ste­he ich all­ge­mein nicht gern im Mit­tel­punkt. Statt­des­sen fin­de ich es ein­fach schön, dass wir am Vater­tag Zeit für­ein­an­der haben. Wenn mei­ne Kin­der mir dann noch was bas­teln oder malen, freut mich das natür­lich, macht mich stolz und rührt mich.

Und der Mut­ter­tag?

Der ist toll! Es ist schön, dass es einen Tag gibt, an dem die Wert­schät­zung für die Mamas ein Gesicht bekommt. Zwar ist der Mut­ter­tag mitt­ler­wei­le zu einem kom­mer­zi­el­len Anlass mutiert, aber es ist ja nun mal das, was man selbst dar­aus macht. Mir ist es ein­fach wich­tig, mei­ne Frau noch­mal ein Stück­chen mehr zu ver­wöh­nen als sonst und die Kin­der sind auch immer ganz eif­rig dabei. Es ist abso­lut süß zu beob­ach­ten, wie auf­re­gend die­ser Tag für sie ist.

Bil­der © blau­beer­pfüt­ze

Dar­über­hin­aus ist es mir sehr wich­tig, mei­ner eige­nen Mama am Mut­ter­tag zu sagen, dass ich stolz auf sie bin. Sie hat mich zu dem Men­schen gemacht, der ich bin, und mir alles Wich­ti­ge im Leben bei­gebracht. Und da mein Vater lei­der ein A**** war und mei­ne Mut­ter bei­de Rol­len für mei­nen Bru­der und mich über­neh­men muss­te, gra­tu­lie­re ich ihr auch noch zum Vater­tag.

Hei­mi­sche Super­hel­den

Wie wich­tig Dir die Aner­ken­nung Dei­ner Frau ist, wird auch auf Dei­nem Blog klar. Dort bezeich­nest Du sie lie­be­voll als “Super­wo­man”. Hat Mama Hell­mann viel­leicht ver­bor­ge­ne Super­kräf­te?

Ja, die hat sie! Und wenn sie das lin­ke Bein nach hin­ten streckt, den rech­ten Arm in die Luft hebt und „Wuuuuusch“ sagt, könn­te sie bestimmt auch flie­gen. Sie hat nicht nur ein gol­de­nes Herz, ist hilfs­be­reit, für­sorg­lich, empa­thisch und auf­merk­sam, son­dern ist oben­drein auch noch wun­der­schön und hat so ein tol­les Wesen. Sie ist irgend­wie wie Tin­ker­bell, nur ohne Flü­gel.

Ist sie es, die bei Euch den Haus­halt mana­ged?

Den Haus­halt bewäl­ti­gen wir als Team. Und fällt mal einer von uns aus, kann der ande­re alle Auf­ga­ben voll­stän­dig über­neh­men. Den nor­ma­len Tages­ab­lauf dage­gen über­nimmt sie kom­plett allei­ne. Dabei ist es ohne Groß­el­tern oder Hel­fer-Netz­werk im Hin­ter­grund nicht immer ein­fach drei Kin­der unter einen Hut zu brin­gen. Und trotz­dem schafft sie es alle Ter­mi­ne — wie Kiga, Schu­le, Fuß­ball­ver­ein oder Ver­ab­re­dun­gen — im Auge zu behal­ten und neben­bei noch unzäh­li­ge Sachen für die Fami­lie zu nähen. Es ist schon bewun­derns­wert, wie sie das alles hin­be­kommt.

Da spricht ein stol­zer Ehe­mann 🙂

Ich habe ein­fach gro­ßen Respekt davor, wie sie alles meis­terst, die täg­li­chen Sor­gen und Ängs­te bewäl­tigt. Dazu gehö­ren neben der Kin­der­gar­ten­ein­ge­wöh­nung oder dem Schul­start (ein­schließ­lich wei­nen­dem Kind am Hosen­bein) auch die Kon­fron­ta­tio­nen mit jenen Men­schen, die einem durch die Blu­me sagen wol­len, wie man sein Kind zu erzie­hen hat.

Für mich als Papa hat sich dage­gen fast nichts ver­än­dert: Ich gehe jeden Mor­gen zur Arbeit, kom­me nach Hau­se, die Kin­der sind da und sogar die Haus­auf­ga­ben sind schon erle­digt… Es sind ein­fach die­se end­lo­sen “Klei­nig­kei­ten”, die sie zu mei­ner ganz per­sön­li­chen Super­wo­man machen.

Von nähen­den Löwen

Na eini­ges wird sich doch auch bei Dir ver­än­dert haben, schließ­lich geht es bei drei Jungs (8, 6, 4) sicher auch bei Euch mal drun­ter und drü­ber…

Stimmt, unse­re Jungs sind sehr fröh­li­che und leben­di­ge Kin­der. Die Racker kön­nen kusche­lig sein wie klei­ne Hasen, aber auch mal brül­len wie Löwen.

Und wie bän­digt ihr die­ses wil­de Löwen­ru­del?

Ein All­heil­mit­tel haben wir bis­her nicht gefun­den, aber was gut funk­tio­niert ist sie mit­ein­zu­be­zie­hen. Dabei geben wir ihnen auch mal Auf­ga­ben außer­halb ihrer Kin­der­welt, wie Kar­tof­feln schä­len oder Toma­ten schnei­den. Ganz hoch im Kurs ste­hen übri­gens die Wasch­ma­schi­ne oder den Trock­ner bela­den und ein­schal­ten — da wird schon mal gestrit­ten wer dran ist.

Das ist aber ein prak­ti­sches Beru­hi­gungs­mit­tel! Kannst Du sie denn auch für Dei­ne Hob­bies begeis­tern und wenn ja, für wel­che — das Nähen oder eher das Hand­wer­ken?

Abso­lut! Mei­ne Frau und ich sind sehr krea­tiv und machen eigent­lich stän­dig irgend­et­was. So krie­gen die Kin­der natür­lich unheim­lich viel mit und begeis­tern sich auch für die­se Din­ge. Eine Zeit lang hat­te sogar jeder sein eige­nes klei­nes Skiz­zen­buch, das über­all mit hin­ge­nom­men wur­de — sehr nied­lich! Es ist schon erstaun­lich, wie sehr Eltern ihre Kin­der prä­gen. Denn wenn sie sehen, dass man eine Sache mit Begeis­te­rung und Lei­den­schaft ver­folgt, dann reißt sie das mit. Das geht vom Wand­durch­bruch übers Zeich­nen, vom Kochen & Backen zum Foto­gra­fie­ren, bis hin zum Nähen.

Es sind wirk­lich wun­der­schö­ne Momen­te, wenn alle drei Jungs zusam­men auf dem Tep­pich lie­gen und mit genau so viel Hin­ga­be am Zeich­nen sind, wie ich sel­ber. Mei­ne Näh­ma­schi­ne steht übri­gens dau­er­haft im Kin­der­zim­mer, wenn sie dann auch mal an die Maschi­nen mei­ner Frau dür­fen, ist das was ganz tol­les. Unser Gro­ßer hat mir neu­lich (fast ganz ohne Hil­fe) ein Schlüs­sel­band zum Geburts­tag genäht…

Ruhe bis es nervt

Bei so einem for­dern­den All­tag braucht man doch sicher auch mal Rege­ne­ra­ti­ons­pha­sen. Wie schaffst Du Frei­räu­me, wenn es mal an der Zeit ist?

Ich ver­su­che die Kin­der so oft es geht zu über­neh­men, damit mei­ne Frau auch mal ein biss­chen Zeit für sich hat, schließ­lich muss sie tags­über schon alles allei­ne regeln und mana­gen. Außer­dem genie­ße ich es sehr, wenn ich die Jungs ein­fach mal für mich habe, da ich sie am Tag ohne­hin nur ein paar Stun­den sehen kann. Gera­de die Wochen­ein­käu­fe mache ich ger­ne mit den Kin­dern. Klar ist das stres­sig, ner­ven­auf­rei­bend und sehr zeit­in­ten­siv, aber gleich­zei­tig auch unheim­lich schön.

Bleibt da über­haupt noch Zeit für Zwei­sam­keit oder gibt es Euch nur im Fün­fer­pack?

Nein, da bleibt kei­ne Zeit und eigent­lich gibt es uns ent­we­der im 5er- oder im 4er-Pack. In den letz­ten 8 Jah­ren hat­ten wir viel­leicht drei­mal 2 Stun­den kin­der­frei.

Belas­tet Euch das sehr?

Sicher­lich wäre es manch­mal schön, etwas mehr Zeit für Zwei­sam­keit zu haben, aber es ist wie es ist und schließ­lich haben WIR uns für eine Fami­lie ent­schie­den. Wir haben kei­ne Kin­der bekom­men um sie abzu­ge­ben. Die wer­den schon noch schnell genug groß, dass wir ihnen irgend­wann pein­lich sind und wir sie ner­ven.