Die Kunst sich hel­fen zu las­sen

Eine Mut­ter zwi­schen Beruf & Fami­lie

Titel­bild © L. Fröh­lich

Inter­view mit Mama­blog­ge­rin Lau­ra Fröh­lich

Lau­ra Fröh­lich (33) ist  Mut­ter von drei Kin­dern (*2011, *2013, *2016). Aktu­ell befin­det sich die selb­stän­di­ge Jour­na­lis­tin in Eltern­zeit. Wenn sie sich nicht gera­de dem Töch­ter­lein und den bei­den Jungs wid­met, arbei­tet die humor­vol­le Tex­te­rin an ihrem Blog heuteistmusik.de. Dort behan­delt sie ver­schie­de­ne The­men rund ums Kind und bespricht dazu pas­sen­de Bücher. Ein The­ma, das Lau­ra beson­ders am Her­zen liegt, ist die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie, über das wir uns mit ihr unter­hal­ten haben.  

Fami­lie & Beruf

Die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie ist für vie­le Eltern eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Wie meis­terst Du die­se nicht all zu leich­te Auf­ga­be?

Gera­de bin ich noch in Eltern­zeit, aber bald geht unser Jüngs­ter in die Kita und ich star­te wie­der im Büro durch. Das geht nur, weil mein Mann und ich uns gut abspre­chen und ich in ihm einen tol­len Rück­halt habe. Er arbei­tet in Voll­zeit, küm­mert sich aber auch mal um ein kran­kes Kind oder nimmt sich einen Gleit­tag, wenn ich total im Stress bin. Unter­stüt­zung habe ich auch von den Groß­el­tern, die oft die Kin­der beauf­sich­ti­gen.

Das klingt als lie­fen Kind und Kar­rie­re heut­zu­ta­ge so ganz neben­bei…

So ein­fach ist es defi­ni­tiv nicht und ich schaf­fe es nur, weil ich so viel Hil­fe habe. Aber es gibt genug Fami­li­en, denen die­se hel­fen­de Hän­de feh­len. Des­halb for­de­re ich ganz klar eine Wen­de in unse­rer Arbeits­welt: Eltern brau­chen von Sei­ten der Arbeit­ge­ber mehr Rück­halt. Da gibt es vie­le Ideen, die zum Teil schon umge­setzt wer­den, wie fle­xi­ble Arbeits­zei­ten, Home­of­fice oder ein Eltern-Kind-Arbeits­zim­mer.

Bild von pixabay © Anna Sun­ny

Aner­ken­nung

Du sprichst den Kampf um Aner­ken­nung an, den vie­le berufs­tä­ti­ge Müt­ter füh­ren. Einer­seits müs­sen sie sich am Arbeits­platz als voll­wer­ti­ge Kol­le­gen bewei­sen, ander­seits zu Hau­se erklä­ren, dass sie kei­ne Raben­müt­ter sind.

Oh ja, da müs­sen sich Frau­en vie­le tol­le Sprü­che anhö­ren. So heißt es im Büro: „Na, schon um eins Fei­er­abend?“ Dabei beginnt dann erst die zwei­te, anstren­gen­de Schicht mit den Kin­dern. Hin­zu kommt, dass Müt­ter meist dazwi­schen kei­ne Pau­se machen. Da kann ich nur raten: Schaut auf euch selbst! Nehmt euch die Zeit für einen kur­zen Stopp zwi­schen den Schich­ten und über­legt euch ein paar def­ti­ge Sprü­che für die Kol­le­gen.

Hast Du etwas gefun­den, das Dir den Spa­gat zwi­schen Kin­dern und Kar­rie­re erleich­tert?

Das Wich­tigs­te ist, dass wir sehen, was wir leis­ten und gut zu uns selbst sind. Ich neh­me mir bei­spiels­wei­se Pau­sen, auch wenn die Kin­der dabei sind. Ich esse mit­tags was Anstän­di­ges, gön­ne mir Unter­stüt­zung im Haus­halt und habe ab 20 Uhr Fei­er­abend. Und Men­schen, die arbei­ten­de Frau­en als Raben­müt­ter ver­ur­tei­len, soll­ten wir ein­fach igno­rie­ren.

Ich fin­de es wich­tig, Müt­tern Mut zu machen und sie zu unter­stüt­zen. Die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf ist wirk­lich schwer, und oft sind Müt­ter dabei die Leid­tra­gen­den. Sie wol­len es allen recht machen: den Kin­dern, dem Part­ner, dem Arbeit­ge­ber, den Kol­le­gen. Am Ende sind es meist sie selbst, die dabei viel zu kurz kom­men.

Umgang mit Kri­tik

Die Mei­nun­gen ande­rer aus­zu­blen­den ist dabei viel­leicht noch das Ein­fachs­te. Oft ist es doch so, dass Müt­ter sich selbst gegen­über die här­tes­ten Kri­ti­ker sind und immer einen drauf setz­ten wol­len.

Dazu habe ich erst letz­te Woche einen Blog­post ver­fasst. In der Tat sind wir selbst unser größ­ter Feind. Wir Müt­ter müs­sen ein­fach ler­nen, dass unser Tag nur 24 Stun­den hat. Arbei­ten, eine gute Mut­ter sein, Sport trei­ben, Freun­de tref­fen, Ner­ven behal­ten UND noch eine Motiv­tor­te für den Kin­der­ge­burts­tag anfer­ti­gen ist schlicht unmög­lich! Wir müs­sen Prio­ri­tä­ten set­zen und ler­nen, Hil­fe zu holen und anzu­neh­men.

Das ist ein­fa­cher gesagt als getan. Wie stellt man das am bes­ten an?

Ich beschäf­ti­ge mich gera­de mit der gewalt­frei­en Kom­mu­ni­ka­ti­on nach Mar­shall Rosen­berg, die besagt, dass man für sei­ne Gefüh­le selbst ver­ant­wort­lich ist. So müs­sen wir her­aus­fin­den, wel­che Bedürf­nis­se wir haben und die­se unse­ren Mit­men­schen respekt­voll mit­tei­len.

Heißt in der Rea­li­tät: Wenn wir uns vom All­tag über­for­dert füh­len und mehr Ruhe brau­chen, müs­sen wir uns über­le­gen, wer uns hel­fen kann für die­se Ruhe zu sor­gen! Das ist ein wei­tes Feld, aber es stimmt, oft müs­sen wir Frau­en damit anfan­gen uns ein­zu­ge­ste­hen, dass wir uns selbst zu viel abver­lan­gen!

Acht­sam­keit

Wenn das immer so ein­fach wäre… Aber Du wirkst so aus­ge­gli­chen, als ob Du die nöti­ge Ruhe gefun­den hät­test. Wo war sie denn ver­steckt? In einer gehei­men Joga-Übung oder viel­leicht im Bücher­re­gal?

Aus­ge­gli­chen wäre ich ger­ne öfter, aber auch ich bin täg­lich min­des­tens ein, zwei Mal unter Stress. Spä­ter ärge­re ich mich dar­über, dass ich die Kin­der unnö­tig ange­me­ckert habe. Und die Yoga Mat­te steht schon lan­ge im Schrank, doch dazu fehlt mir die Zeit. Was aber wirk­lich toll hilft und ich nur emp­feh­len kann ist Acht­sam­keits-Medi­ta­ti­on.

Was beinhal­tet die­se Form der Medi­ta­ti­on?

Im Prin­zip geht es bei der Acht­sam­keits-Medi­ta­ti­on um die Kon­zen­tra­ti­on auf den Atem, aber wer sie öfter prak­ti­ziert merkt, dass sie sich auf alle Lebens­be­rei­che über­tra­gen lässt. So ver­su­che ich, wenn ich mit mei­nem Kind spie­le, ganz in die­sem Moment zu sein. Das gilt für alles, was ich tue — auch für den Abwasch oder das War­ten auf den Zug.

Zum Üben kann ich die App 7Mind emp­feh­len, bei der die Grund­la­gen kos­ten­los sind. Wer tie­fer ins The­ma ein­stei­gen möch­te, liest am bes­tenMit Kin­dern wach­sen von Milan & Jon Kabat-Zinn. Geni­al ist aber auch das Kin­der­buch Still sit­zen wie ein Frosch von Eli­ne Snel.

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