Lau­fen Ler­nen: Kin­der­fuß­mo­de im Ver­gleich

Tipps für Eltern

Pro­dukt­test

Die Wahl der ers­ten Schu­he zählt zu den schwie­rigs­ten Ent­schei­dun­gen, die Eltern bezüg­lich der Gadero­be ihrer Kin­der tref­fen müs­sen. Denn wäh­rend ein schlecht sit­zen­des T‑Shirt viel­leicht nur ein müdes Lächeln bei der Ver­wandt­schaft aus­löst oder eine zu enge Hose den Unmut des Kin­des hevor­ruft, kann das fal­sche Schuh­werk schwer­wie­gen­de Fol­gen haben.

Aus die­sem Grund emp­feh­len eini­ge Ortho­pä­den und Kin­der­ärz­te sogar, auf fes­te Schu­he so lan­ge wie mög­lich zu ver­zich­ten. Dies soll etwai­gen Fehl­stel­lun­gen oder gar Ver­for­mun­gen vor­beu­gen und eine opti­ma­le Ent­wick­lung der kind­li­chen Füße ermög­li­chen. Da wir die Klei­nen aber nicht ihr Leben lang “schuh­los” her­um­lau­fen las­sen wol­len, haben wir uns für Euch mit vier unter­schied­li­chen “Fuß­be­klei­dun­gen” aus­ein­an­der­ge­setzt und geprüft, wel­che Vari­an­te für frisch­ge­ba­cke­ne Läu­fer am bes­ten geeig­net ist.

Obwohl so man­che Schuh­grö­ßen­ta­bel­le eine ande­re Ver­mu­tung nahe legt, ist die Wahl der rich­ti­gen Schu­he nicht vom Alter des Kin­des, son­dern von des­sen aktu­el­ler Ent­wick­lungs­stu­fe abhän­gig. Denn obwohl es eigent­lich kei­nen Unter­schied machen soll­te, wel­ches Modell die Klei­nen an den Füßen tra­gen, kann die jewei­li­ge Mach­art eines Schu­hes die Bewe­gungs­frei­heit för­dern oder ein­schrän­ken. Denn auch wenn es eine wit­zi­ge Vor­stel­lung wäre, so geht doch nie­mand in Gum­mi­stie­feln zum Tanz­ab­schluß­ball… Wel­che Vari­an­ten ste­hen also für klei­ne Lauf­an­fän­ger zur Wahl?

Bild von pixabay © Hol­gers­Fo­to­gra­fie

1. BARFUSS

Lau­fen ler­nen, wie Gott uns schuf — das läge wohl am ehes­ten im Inter­es­se der ein­gangs erwähn­ten Schuh­kri­ti­ker. Nicht zuletzt stellt Bar­fuß­lau­fen die natür­lichs­te Metho­de dar um Kin­der­fü­ße ans Lau­fen zu gewöh­nen.

So ler­nen die Klei­nen im direk­ten Kon­takt mit dem Unter­grund nicht nur ihre Füße rich­tig abzu­rol­len und ihr eige­nes Kör­per­ge­wicht aus­zu­ba­lan­cie­ren, son­dern trai­nie­ren ganz neben­bei noch die Mus­ku­la­tur ihrer Füße.

Das wir Erwach­se­ne nicht alle bar­fuß lau­fen, zeigt aber bereits, dass die nack­ten Füße kei­ne Dau­er­lö­sung sein kön­nen. Schließ­lich müs­sen die Füße nicht nur vor Umwelt­ein­flüs­sen (wie Näs­se oder Käl­te) geschützt wer­den, son­dern auch vor dro­hen­den Ver­let­zun­gen (durch Stei­ne, Glas­split­ter, etc).

2. STOPPERSOCKEN

Wenn es um den Schutz vor kal­ten Füßen geht, ist für die meis­ten Eltern der Griff zu den all­seits bekann­ten Stop­per­so­cken  oft der nahe­lie­gends­te. Die­se pas­sen sich nicht nur wie eine zwei­te Haut an den Kin­der­fuß an, son­dern hal­ten die­sen auch kusch­lig warm, wes­halb neben­bei erwähnt auch vie­le Erwach­se­ne nicht mehr auf ihre Haus­so­cken ver­zich­ten wol­len.

Was das Lau­fen-Ler­nen anbe­langt, ver­mit­teln die­se Fuß­wär­mer aller­dings ein fal­sches Gefühl von Sicher­heit. Denn wäh­rend die Anti-Rutsch-Funk­ti­on der gum­mi­er­ten Nop­pen viel­leicht noch beim ein­fa­chen Ste­hen ihren Zweck erfüllt, trifft sie beim flin­ken Mar­schie­ren schnell an ihre Gren­zen. Oder wer ist nicht schon mal mit einem sol­chen Paar an den Füßen über Par­kett und Flie­ßen gerutscht?

Für Klein­kin­der sind die­se gripp­lo­sen Socken daher kei­ne Opti­on und soll­ten ab dem Krab­bel­al­ter gegen ers­te Schu­he ein­ge­tauscht wer­den. Schließ­lich wol­len wir es den Klei­nen, die sich ohne­hin kaum auf den Bei­nen hal­ten kön­nen, nicht noch schwe­rer machen und die Wahr­schein­lich­keit von schmerz­haf­ten Stür­zen so weit als mög­lich redu­zie­ren.

3. LEDERPUSCHEN

Eine wesent­lich bes­se­re Alter­na­ti­ve zu den Rutsch­so­cken stel­len wei­che Leder­schu­he  dar. Die­se ver­fü­gen zwar über eine ähn­li­che Fle­xi­bi­li­tät wie die Füß­lin­ge, ver­fü­gen jedoch über eine wesent­lich grö­ße­re Brems­flä­che auf der Schuh­un­ter­sei­te. Denn statt ver­ein­zel­ter Gum­mi­trop­fen sorgt hier meist eine durch­gän­gie Wild­le­der­soh­le für einen ange­mes­se­nen Halt.

Man­che Her­stel­ler set­zen bezüg­lich der Anti-Rutsch-Funk­ti­on sogar noch einen drauf und ver­se­hen nicht nur ihre Schuh­soh­len mit zusätz­li­chen Brem­s­pads, son­dern plat­zie­ren auch auf der Schuh­ober­sei­te klei­ne Stop­per im Bild­chen­for­mat. Dem­entspre­chend machen Leder­schu­he wie die­se schon lan­ge vor den ers­ten Lau­f­übun­gen Sinn, zumal sie Krab­bel­kin­der eben­falls vor dem Weg­rut­schen bewah­ren.

Wir haben die Leder­pu­schen von HOBEA-Ger­ma­ny getes­tet:
HOBEA LAUFLERNSCHUHE: SCHLUSS MIT RUTSCHIG!

4. FESTE SCHUHE

Noch tritt­si­che­rer als mit Leder­pu­schen sind klei­ne Läu­fer tat­säch­lich nur mit fes­ten Schu­he  unter­wegs wie wir sie auch als Erwach­se­ne tra­gen. Die­se geben den Kin­dern nicht nur auf säm­li­chen Unter­grün­den und Ober­flä­chen einen siche­ren Halt, son­dern bie­ten auch eine zusätz­li­che Fuß-Sta­bi­li­sa­ti­on über die stüt­zen­den Sei­ten­wän­de.

Hier gelan­gen wir aller­dings genau zu dem Punkt, den die Ortho­pä­den bemän­geln. Sie fürch­ten, dass das Fuß­wachs­tum des Kin­des durch die fixier­te Hal­tung nega­tiv beein­flusst wer­den könn­te. Dem möch­ten wir nicht wider­spre­chen, geben aller­dings zu beden­ken, dass der Wech­sel zu fes­tem Schuh­werk irgend­wann voll­zo­gen wer­den muss. Da die Klei­nen irgend­wann aus den hei­mi­schen Wän­den aus­tre­ten und die gro­ße, wei­te Welt erkun­den wol­len, wo sie ihre Füße vor äuße­ren Ein­flüs­sen schüt­zen müs­sen.

Außer­dem kann es bei einer zu spä­ten Gewöh­nung an fes­te Schu­he zu Pro­ble­men kom­men, wenn das Kind den Schuh nicht mehr als Hilfs­mit­tel zum Lau­fen, son­dern nur noch als Fremd­kör­per wahr­nimmt, der es in sei­ner Bewe­gungs­frei­heit ein­schränkt — hier spre­chen wir aus eige­ner Erfah­rung.

5. FAZIT

Wie unse­re vier Vari­an­ten zei­gen, hat eine jede die­ser “Fuß­mo­den” ihre Berech­ti­gung. Die Fra­ge wel­che die am bes­ten geeig­ne­tes­te von allen ist, stellt sich daher nicht mehr. Nichts­des­to­trotz kön­nen Eltern sich anhand ihrer Vor- und Nach­tei­le ein wenig ori­en­tie­ren und ent­schei­den, für wel­che Akti­vi­tä­ten ihr Kind die Schu­he tat­säch­lich braucht:

Liegt das Baby noch auf der Krab­bel­de­cke, sind dicke Stop­per­so­cken  per­fekt um für war­me Füße zu sor­gen. Sobald es von der Spie­le­wie­se her­un­ter geht, wer­den rutsch­fes­te Leder­schu­he  inter­es­sant, die sich im Anschluß auch für die ers­ten Geh­ver­su­che eig­nen. Für grö­ße­re Kin­der, die bereits die Natur erkun­den, soll­te jedoch zumin­dest ein Paar fes­te Schu­he  parat ste­hen, da die­se die klei­nen Füße am bes­ten vor äuße­ren Ein­flüs­sen schüt­zen.

Wir emp­feh­len einen gesun­den Mix aus allem: Lasst Eure Kin­der Zuhau­se ruhig mal bar­fuß lau­fen, ach­tet aber dar­auf kal­te Füße zu ver­mei­den und wech­selt zwi­schen wei­chen Schu­hen im Haus und fes­ten fürs Freie ab, so kön­nen drin­nen die Möbel und drau­ßen die Ber­ge bezwun­gen wer­den. Denn so wenig sich Gum­mi­stie­fel für die Tanz­flä­che eig­nen, sind Pfen­nig­ab­sät­ze im Gar­ten doch weit­aus schlim­mer — es kann also nicht scha­den die Klei­nen auf ver­schie­de­ne Situa­tio­nen in ihrer Lauf­kar­rie­re vor­zu­be­rei­ten.